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« Reinbildung statt Einbildung!

Willkommen im Club der 400.000!

Publiziert 14. November 2011 | Von Rudolf Karazman

400.000 Menschen haben das Volksbegehren unterschrieben. Das
sind sehr viele Menschen. Ohne Unterstützung von Krone und Kurier, ohne wirklicher
Unterstützung von SPÖ, von AK und ÖGB. Gegen schwarzblaue Hasstiraden und FCG. Und
das alles bei bleierner Euro-Krisen-Trance. Seit zehn Jahren hat es – außer Uni-brennt
und KindergärtnerInnen-Bewegung – ja nichts an außerparlamentarischer Mächtigkeit
gegeben. Selbst bei prominenten Proponenten kamen nur wenige in Bewegung. Es gäbe
so viel zu verändern, zu bewegen, einzugreifen, und so wenig Partei und Organisation,
dass es vielen guten Willens zu viel ist.

Da gehen 400.000 hin und unterschreiben trotz Antipolitischem
Zeitgeist. Ohne Krone, ohne Kurier, ohne Schwarzblau, ohne Rückenwind aus SPÖ,
ÖGB und AK. Für etwas wie Bildung! In der Zukunft! Es ging nicht um Abwehr von
finanziellen oder atomaren Gefahren wie bei den erfolgreicheren Volksbegehren
nach 2000. Es ging um etwas „Höheres“, um unsere Kinder, um unsere Jugend,
besser gesagt, gar nicht um „unsere“, denn die sind meistens schon „durch“. Es
ging um die Chancen künftiger Kinder, besser anderer Kinder. In Zeiten wo der
die das Andere am Altar der Xenophobie geopfert werden.

Geld oder Leben, Schmerzen und Krankheit versteht jeder. Aber
die Bedeutung von Bildung verstehen nur jene, die sich bilden, die sich immer
wieder verändern, neu erschaffen, eben bilden. Und ich meine nicht nur
schulisch. Nur die, die eine bildende Grundhaltung haben, schätzen Bildung.

Es gibt aber auch Menschen, die Bildung nicht kennen, nicht
leben oder gar verachten. Ich glaube, es ist heute mehrheitlich, dass es lohnt,
Mädchen ins Gymnasium zu schicken. Ich glaube! Bis vor kurzem war Bildung für Mädchen
mehrheitlich nicht lohnenswert. Wie gesagt, ich GLAUBE, dass es heute schon
anders ist. Aber für einen großen Teil der Bevölkerung zählt Bildung nichts,
sonst würden sie nicht Krone lesen und FPÖ wählen, sonst würden sie nicht der
Un- und Einbildung frönen. Wer dumm ist, verachtet Bildung und besonders ein
Bildungs-Volksbegehren. Nehmen Sie nur den Kommentar der Innenministerin.
Dummheit at the top – eigentlich schon Bosheit.

Anzunehmen, dass alle Wahlberechtigten Ansprechpartner waren,
war falsch, denn dieses Volksbegehren setzt voraus, dass wir weit voraus und weder
aus Eigennutz noch Eigenschutz denken. Dieses Volksbegehren setzt hohe soziale
und solidarische Verantwortung voraus, eine christliche und humanistische
Grundhaltung. Deshalb hat auch das scheinheilige Tirol mit dem Eurofighter-Landeshauptman
das schlechteste Ergebnis und die Fraktion antichristlicher Gewerkschafter mit
dem Dollfuss-Verehrer Neugebauer findet sich eins mit Neidbürger Bumsti Strache.
Wieso machen diese Rabauken eigentlich kein Volksbegehren für die Trennung der
SchülerInnen mit 10 und die Aufrechterhaltung des Bildungsprivilegs: „Und dann – Frau Mikl-Leitner und Herr
Strache, – dann, wenn Sie dann mehr als 400.000 Unterschriften bekommen, dann
könnten Sie erstmals sagen, dass Sie mehr Menschen auf Ihrer Seite haben.“
 Natürlich scheuen sie diesen Vergleich, denn
sie finden keine 10.000 Vollidioten, die für die Perpetuierung des Status Quo
eintreten.

400.000 haben dafür unterschrieben, ohne von der Krone
hysterisiert worden zu sein. Ein alter Herr und die zahlenmäßige kleine
Industriellenvereinigung sind nun keine Massenorganisation. Und SPÖ, ÖGB und AK
haben eigentlich nichts gemacht. Am letzten Tag der Zeichnungsfrist erhielt ich
per Post die Zeitschrift „AK für Sie“ mit einem Aufruf – ein Timing wie die
ÖBB. Tjy, wo waren die vielen Betriebsräte? Die vielen Gemeinderäte?

Der Erfolg bleibt. Es entstand ein Netzwerk, unterstützende
Organisationen, die Caritas, die Wissenschaftskonferenz, die Kinderfreunde. Es
entstand ein dichtes und sehr kompetentes Netzwerk für Bildung und Entwicklung
im Kindergarten, in Schule, Uni, Betrieb/Haushalt. Ein Netzwerk für menschliche
Evolution als Teil einer humanökologischen Gezeitenwende. Wir haben Richtung,
weil wir Richtiges fordern, ob Educare, Solidar-Werkstatt oder Androsch-Volksbegehren.
400.000 haben Einfluss, wir sind vernetzt, wir können uns unterstützen, und am
Wahltag fällt es unseren Mitbürgern, leichter zur Wahl zu gehen. Und wenn es
uns gelingt, aus dem ich-bezogenen „Österreich zuerst“-Krankheit wachzurütteln
zu einem Denken und Wählen für zusammen-führende, sinnermöglichende Zukunft für
alle, wird die humane Mehrheit in der Gesellschaft die antihumane Mehrheit im
Parlament abwählen und das Tor für die Bildungsreform öffnen. Diese
Grundvoraussetzung für eine evolutive Bildungsreform auf dementsprechenden
Budgets würde auch bei einer Million Unterschriften zu erarbeiten sein. Denn glaubt
irgendwer, dass bei einer Million Spindelegger, Bumsti oder Neugebauer gesagt
hätten: „Okay, Bildung für alle!“?

Wir machen weiter.

Inge und Rudolf Karazman.

P.S.: Und die SPÖ braucht eine Führung, die Politik
beherrscht, und nicht nur PR. Politik ist die Zusammen-Führung von Menschen-Gruppen,
um eine gemeinsame bessere Zukunft zu sehen, zu konzipieren und zu ermöglichen.
Etwas gemildert gilt das auch für Die Grünen. Oder warten alle auf den Währungsfonds,
damit unsere Berlusconis endlich gehen müssen?

Veröffentlicht unter Neuigkeiten

Eine Antwort auf Willkommen im Club der 400.000!

  • Wolfgang Allmann sagt:
    22. November 2011 um 11:04

    Wir dürfen SchülerInnen mit 10 nicht durch eine Entscheidung eines Lehrers (Notendurchschnitt) oder der Erzihungsberechigten (die Haptschule ist halt im Ort, und ….) die Chance auf eine umfassende Bildung nehmen. Wir (die Gesellschaft) müssen sie auf dem Weg der Bildung begleiten. Auch ein Maurer, Tischler, oder Maler soll in der Pflichtschule jene Fähigkeiten erlernen, die auf dem Weg zur Matura benötigt werden.

    Antworten

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