Was uns bewegt
Dieses Schulsystem widerspricht der Entwicklungspsychologie
Wie kann es sein, dass eine Drei in Rechnen oder Deutsch einem Kind von 9 Jahren den Zugang zu einer höheren Schule und damit Berufs- und Entwicklungschancen verwehren kann? Die Mehrheit der Kinder zwischen 10 und 14 ist heute vom bestmöglichen Bildungsweg ausgeschlossen. Es darf nicht sein, dass in der Mitte der kindlichen Entwicklungszeit über Bildungswege und Chancen in der Zukunft entschieden wird.
Diese Schule passt nur zu einem Teil der Kinder
Kinder entwickeln sich in diesen Jahren unterschiedlich schnell. Die einheitlichen Vorgaben von Lerntempo und Anforderungen in der Schule passen nur zu einem Teil der Kinder. Nicht alle Kinder kommen gut gefördert in die Schule, nicht alle sind gleich entwickelt. Ein Teil braucht die Schule mehr. Statt diese Herausforderung zu einer Höherentwicklung der Schule zu nutzen, wird jenen Kindern die höhere Schule versagt. Dieses Schulsystem produziert Bildungsferne. Das ist pädagogischer Bankrott.
Ausgrenzung durch Noten führt nicht in die Zukunft
Es ist Zeit, dass alle für die Schule verantwortlichen Personen lernen. Schulzeugnisse sagen wenig aus über die Leistungen, die Menschen später für sich und andere vollbringen werden. Lehrer/innen sind wie andere Menschen verflochten mit Vorlieben und Vorurteilen, mit Kompetenz und Defiziten. Dieses Schulsystem der Ausgrenzung zwingt Lehrer/inn/en, über das Schicksal sehr junger Menschen entscheiden zu müssen. Das schafft Unglück, Unrecht, Ghettos und soziale Konflikte.
Kinder brauchen gemeinsame Entwicklung
Der Weg zu besserer Bildung und Zukunft führt über die gemeinsame Schule mit differenzierten, individuellen Förderprogrammen. Bewiesen in vielen Staaten der Welt. Wir Eltern wollen kein Herumgerede mehr. Seit Jahrzehnten notwendige Reformen des Bildungssystems werden nicht durchgeführt – auf Kosten der Kindern, ihrer Eltern und der Zukunft Österreichs. Die Blockade von Parteien-Politik, Lehrer-Gewerkschaft und Behörden muss aufhören.
Wir unterstützen das Bildungsvolksbegehren „Österreich darf nicht sitzen bleiben“ und wollen uns für die „Gemeinsame Schule aller 10- bis 14-Jährigen“ einsetzen. Die Gemeinsame Schule soll von bestmöglicher Qualität sein, über ausreichend Personal und die dafür nötigen Budgetmittel verfügen. Die Lehr- und Fachkräfte müssen Arbeitsbedingungen vorfinden, unter denen sie ihre Aufgaben erfüllen können. Die öffentlichen, für alle Kinder zugänglichen Schulen müssen die besten sein!
Demokratie braucht gemeinsame Entwicklung
Wir verstehen die Gemeinsame Schule bis 14 als einen zentralen Bestandteil einer umfassenden Bildungsreform, die allen Kindern die bestmögliche Bildung bieten soll. Niemand darf zurückgelassen werden! Schule muss in die Lage versetzt werden, Kinder individuell zu fördern, auf unterschiedlichen Entwicklungsstadien einzugehen, statt diese Aufgabe den Eltern oder Nachhilfeeinrichtungen zu überlassen. Schule soll den Kindern Freude am Lernen und Selbstbewusstsein durch Bestärkung der schon erreichten Fähigkeiten vermitteln – statt stets das noch Fehlerhafte zu betonen und „Verlierer“ zu erzeugen.
Aus aktuellem Anlass treten wir für die Gemeinsame Schule aller 10-bis 14-Jährigen ein. Damit wollen wir aber kein Limit setzen. Gerade das hervorragende Abschneiden Polens im PISA-Test gründet auf einer Schulpflicht bis 18 Jahre.
Andrea Baidinger
Mag. Dr. Inge Karazman-Morawetz
Univ. Lektor Dr. Rudolf Karazman
(Eltern)

